Vernehmlich werden die Stimmen | Rechtsanwalt und Richter, Landvogt in Husum, wo er geboren war, aber als Gegner der dänischen Besatzung nicht bleiben konnte, und wohin ihn nach dem deutsch-dänischen Krieg 1864 die Bevölkerung zurückrief, der Dichter der „grauen Stadt am Meer“, Theodor Woldsen Storm (1817-1888), war einer der großen Autoren des Realismus. Selbst eine reputierliche Erscheinung, brechen in seinem Werk doch zahlreiche Risse auf im Gebäude der bürgerlichen Sozietät. Storm schildert die Liebesversagungen, die Schmerzen, den Egoismus, die Kämpfe und Gemeinheiten, die hinter den Fassaden lauern. Auf der Suche nach verlorener Menschlichkeit, auf Harmonie und Recht bedacht, beschreibt Storm die Brüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Leben des bürgerlichen Menschen und seiner Familie, und selten werden sie so befriedigend aufgehoben wie in der berühmten Novelle „Pole Poppenspäler“. Sie steht im Mittelpunkt der Lesung: Wie lassen der Traum von der Kunst, die Freiheit der Phantasie und die Liebe zu einem Mädchen des fahrenden Volkes sich mit den Rechenaufgaben des Bürgerstandes vereinbaren? |